Um es vorweg zu nehmen, das Museum in Marxzell ist das abgefahrenste Museum, das ich je besucht habe - das liegt jetzt nicht daran, dass ich wenig Museen besucht habe...
Es ist kein Trödelladen, kein Antiquitätenhändler, kein Rümpelheinrich oder Gebrauchtwagenhändler - auch wenn es nach allem ein bisschen ausschaut. Liebevoll gesammelt von der Familie, gleich nach dem Krieg begonnen, als Reifen, Blechteile, Autos, Milchkannen, Radios, Telefone, Schilder knapp waren. Was nicht repariert und verkauft wurde, wurde erstmal aufgehoben. Bis heute. Auf dem Hof rosten Straßenbahnwaggons und Schlepper friedlich vor sich, ebenso wie ein kleiner für Agrarzwecke umgebauter Panzer.
Das Marxzeller Museum gilt als Automuseum. Und in der Tat, es sind laut Prospekt an die 100 Autos im Museum. Allerdings ist das Drumherum genauso interessant wie die Fahrzeuge.
Eine von Sammlerwut umgetriebene Familie, deren Angehörige heute noch die liebevollen Führungen machen, wo die ganze Familie mit Leib und Seele ihr Museum liebt und erklären kann und sogar weiß, wo welches der Millionen Exponate zu finden ist, und jeweils eine launige Geschichte zum Exponat erzählen kann.
Es gibt eine eigene Abteilung mit allen Telefonen seit der Erfindung der Telekommunikation, beschildert, erklärt und immer sauber abgestaubt. Ebenso wie eine unfassbare Sammlung alter Werbeemaillschilder, die alle dort aufgehängt sind, wo sie zur Epoche passen. Es gibt antike Puppenstuben, Plüschtiere, Schaufensterpuppen, Mercedes-Schreibmaschinen, Schränke in denen ganze automatische Orchester untergebracht sind, Geräte, Motorräder, Fahrräder und eben Autos. Die große Halle beherbergt in seiner Sammlung historischer Feuerwehrfahrzeuge auch gleich einen ganzen Rettungshubschrauber.
Zum Ende der Führung wird man in ein altes Kino mit originalen und recht unbequemen Holzklappstühlen geführt. Zuerst wurden einige der dort ausgestellten Dampfradios und Musikplatten der Vor-Schellack Generation, also drehbare Lochblecher, vorgeführt. Dann mit dem unverkennbaren - die älteren unter uns erinnern sich - filmischen Knacken und Flackern zwei schwarz-weiß Filme gezeigt. Der erste über die Erfindung des Automobils, ein sehr rarer Film, den ich auch im Mercedes-Museum noch nicht gesehen habe, danach der Slappstick über einen Mann, der eine Dame ganz schnell in die Entbindungsstation fahren wollte. Sein Fahrstil ist nicht nachahmenswert sein Wagen ist am Schluss Schrott.
Das Museum lohnt sich für jeden, der mit einer Portion Humor, Liebe zum Detail sowie Entdeckergeist eine oder zwei Stunden die Sammlerwut einer Familie im Nordschwarzwald bestaunen möchte.
Die Idee und Organisation oblag Michael Leschik, viele kennen ihn als den Polierer unter dem Herrn, der Mann mit der schönen Havanna braunen 300 SE Flosse, der in Ornbau die Polierworkshops gemacht hat.
Es begann beim Treffpunkt damit, dass er das Frühstück, bestehend aus Kaffee, Sprudel und eigenhändig geschmierten Butterbrezeln aus seinem Kofferraum verteilte, also originelles Kofferraum-Catering. Das Roadbook perfekt bis hin zur Warnung "Steilhang, 5 %, auf der Länge von 0,4 km". Er hatte vorab die Essenswünsche der Teilnehmer im Restaurant durchgegeben, so dass es keine langen Wartezeiten gab, und hat dann aus Solidarität, weil das Restaurant leider doch eine Bestellung falsch brachte, solange nicht gegessen, bis auch der letzte Teilnehmer seine Bestellung bekam.
Micha plant bereits die nächste Ausfahrt eine 2-Tages Ausfahrt ins Elsass zum Schlumpfmuseum. Hierfür hat er bereits die Einfahrgehemigungen für 07er Kennzeichen und Oldtimer auf Französisch bei den Behörden beantragt, ist die Strecke abgefahren und bietet über zwei Tage volles Programm inklusive Design-Ausstellung und Eisenbahnmuseum.
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