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Besuch im Mercedes-Benz Museum, 22.4.07
Maria Lehmann, Wolfgang Küppers (Fotos)


Wir Stuttgarter wollten ja schon lange mal ins Museum, wollten aber den ersten Andrang und Warteschlangen den weit her gereisten überlassen. Als sich nach einem knappen Jahr herausstellte, dass der Andrang nicht wirklich weniger wurde und man Führungen Monate vorher buchen musste, musste gehandelt werden. Wir erinnerten uns der MB-Clubbetreuung, die ja nun im Museum angegliedert ist und sprachen vor. Zu unserer großen Freude konnte Anette Hufnagel uns einen Besuchstermin mit unserer eigenen Führung zeitnah organisieren. Außerdem durften wir unsere Fahrzeuge auf dem Hügel vor dem Museum parken. Einige japanische Besucher hielten das wohl für einen Teil der Museumsexponate und fotografierten sich gegenseitig vor unseren Autos.


Die Exponate des Museums sind in zwei Hauptbereiche eingeteilt: Mythosräume und Collektionen. Außerdem gibt es noch den Bereich Rennen & Rekorde und Faszination Technik. Die Mythosräume, zu denen man auf den leicht abschüssigen Gängen gelangt, erzählen die Geschichte der Marke Mercedes-Benz. An den Wänden, die je nach Epoche mit unterschiedlichen Materialien ausgekleidet sind, hängen Bilder des Zeitgeschehens. Durch die ausgeklügelte Architektur geht es immer bergab, man muss nie zweimal an einer Stelle vorbei und sieht alles. Durch das Wechselspiel zwischen den Licht durchfluteten Räumen und Gängen an den markanten Fenstern und den abgedunkelten Mythosräumen, taucht der Besucher jeweils in die neue Welt der Exponate ein.

Die Führung beginnt damit, dass die Besucher in einem Aufzug nach oben zu den Anfängen der automobilen Geschichte gebracht werden. Von der Pferdekutsche über motorisierte Fahrräder, Flugzeuge, Boote, dem fortgeschrittenen Kompressor bis hin zu den heute noch im Straßenbild gängigen Fahrzeugen. Der Babybenz als Aufhänger dafür, dass sich die neue C-Klasse bitte auch so gut verkaufen soll, wie einst das anfänglich viel geschmähte Baby. Der W140 von Arnold Schwarzenegger steht neben Lady Di‘s roten SL im VIP-Areal. Interessant, weil man das auf Oldietreffen nie und auf Messen selten sieht, die „Helfer-Fahrzeuge“ von Feuerwehr, Ambulanz und THW.

Die ganze Geschichte wird in Bildern, Texten, Devotionalien wie „Kuschelmercedes“, CDs mit MB auf dem Cover (gute alte Janis Joplin), Besteck mit Stern und Aschenbecher, Kleiderbügel, Lampen.... und Fahrzeugen dargestellt. Viel auch zur Zeitgeschichte, um die automobilen Fortschritte ins Zeitgeschehen einzubetten. Es gibt auch 33 „Nett-zu-wissen“ Tafeln, z. B. der Erfolg des Veedol Mädchens (erstes „Pin-Up“ für LKW-Fahrer). Die Beschriftung neben dem ausgestellten Starenkasten sagt deutlich: „neben der Erhöhung der Verkehrssicherheit füllte es es auch die Kassen der Gemeinden“, die Erfindung des Scheibenwischers (eine Amerikanerin bei der Fahrt in einer Straßenbahn bei Regen) und die Herkunft der Bezeichnung „Kot“flügel (Nomen ist Omen).

Wo wir beim Thema sind: Auch das muss sein, wenn man mal muss, konnte man pro Epoche zwischen schrill orangenem, grünem und gelbem Ambiente wählen (oder sich schocken lassen). Das Museum ist bis ins letzte Detail durchgestylt.

Auch für die Sicherheit ist gesorgt. Es dürfen nur eine bestimmte Anzahl Besucher gleichzeitig im Museum sein, damit innerhalb von 5 Minuten evakuiert werden kann. Dazu sind an den Wänden des Foyers, das in der Mitte des Museums bis ganz oben eine Art Schacht bildet, Düsen angebracht, die im Falle eines Feuers so viel Luftstrom erzeugen, dass Rauch und Feuer in diesem „Kamin“ nach oben abgeleitet werden, und so die unersetzlichen Exponate nicht zu Schaden kommen. Ob und wie die Menschen im Sog mitgerissen werden, oder sich sonstwie retten können, wurde an dieser Stelle nicht erklärt.

Es gab im Oktober 2007 den Guinessbuch der Rekorde Eintrag für den größten Indoor-von Menschenhand-ausgelösten Taifun eben in diesem Foyer vom MB-Museum (Anm. d. R.)

8 Ebenen, 7 Mythosräume und 5 Collektionsräume weiter sind, quasi über dem Foyer schwebend, die modernsten Entwicklungen ausgestellt, auch der nie in die Serie gegangene C111, ein Fahrzeug mit Hybridantrieb (nicht dass uns die Japer die Schau stehlen) und ein Wagen, frisch aus der Forschungsabteilung, ohne Lehnkrad. Nach dem Keyless-Go nun auch ein Wheelless-Drive. Wo bleibt denn da der Fahrspaß?

Und dann kann man von dort aus durch den Museums-Shop (Golfbälle, Uhren ab 399,00, Schlüsselanhänger, Kappen und Spätzlepresse) direkt in die Verkaufsräume von DC / Untertürkheim lustwandlen.

Wir hatten einen informativen und tollen Sonntag Vormittag, nach der Führung war noch genug Zeit nochmal durch zu gehen und Eindrücke zu genießen. Das Museum ist aus architektonischer, historischer und automobilgeschichtlicher Sicht ein Muss.

Maria Lehmann
Wolfgang Küppers (Fotos).



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